1000 Möglichkeiten in einem Raum – das FabLab der Hochschule Rhein-Waal – Teil 2

„Das FabLab und die Hochschule sind sensibler geworden für die Bedarfe von Menschen mit Beeinträchtigungen“, ist sich Adriana sicher. Es werden nicht nur immer neue Produkte entwickelt, die mehr Inklusion, Teilhabe und persönliches Wohlbefinden ermöglichen, auch die bauliche Barrierefreiheit wächst und das Studienangebot nimmt Menschen mit Beeinträchtigung zunehmend in den Fokus.

Beim Accessathon sind auf dem Gelände der Hochschule Leitmarken für blinde Menschen entstanden, Türen haben einen neuen kontrastreichen Anstrich bekommen und zu den Türschildern wurde Blindenschrift hinzugefügt. An der Hochschule gibt es überall Aufzüge und vor allem im FabLab reichlich Platz, um sich auch mit dem Elektrorollstuhl problemlos bewegen zu können.

Im Studium gibt es zum Beispiel den Schwerpunkt „Smart Living Assistance“, Intelligente Alltagshilfen, bei dem man sich unter anderem mit barrierefreien Lösungen für den öffentlichen Personennahverkehr beschäftigt. Im Fach „Brain-Computer-Interface“ geht es darum, alternative Arten der Gerätesteuerung für Menschen zu entwickeln, die in ihrer Bewegung stark eingeschränkt sind.

Allen Beteiligten ist dabei der interdisziplinäre Austausch besonders wichtig, also dass sich Studierende, Professor/innen und Unternehmer/innen vieler verschiedener Fachrichtungen und aus allen Teilen der Welt mit dem gleichen Thema auseinandersetzen. Nur so lässt sich ein Problem ganz umfassend betrachten und eine nachhaltige Lösung entwickeln. Deshalb laden die Mitglieder des Allgemeinen studentischen Ausschusses, besser bekannt als AstA, zum Beispiel regelmäßig zum Erfahrungsaustausch ein. „Wie wäre es, wenn du blind wärst? Könntest du dich auf dem Campus orientieren?“ oder „Wie fährt es sich auf dem Campus im Rollstuhl?“ sind Fragen, die sich die Gruppe dann stellt und in Selbstexperimenten miteinander beantwortet.

Das wird auch deutlich, wenn man sich weitere Projekte FabLab Kamp-Lintfort näher anschaut. Im „GreenLab“, einem Labor für Nachhaltigkeit, wird gerade an einem „FabHouse“ gebaut, es gibt Arbeitsgruppen für Drohnentechnologie und die Entwicklung von sogenannter Open Source-Hardware. Dies sind Maschinen, die genau die gleichen Funktionen haben wie die modernen Geräte im FabLab, aber wesentlich günstiger hergestellt werden können. „Auf diese Weise können wir einen Laserschneider, der normalerweise 40.000 Euro kostet, schon für 5.000 Euro produzieren und ihn zum Beispiel an Schulen oder Jugendeinrichtungen ausleihen“, erläutert Adriana Cabrera, warum diese Entwicklungsarbeit so wichtig ist. Aber das ist noch nicht alles – eine weitere Gruppe von unermüdlichen Tüftlern experimentiert gerade mit Keramik-3D-Druck. Sie geht der Frage nach, wie sich natürliche Stoffe im Vergleich zu künstlichen Stoffen beim 3D-Druck verhalten. Hier wird das Handwerk digitalisiert und zugleich eine alte Handwerkstradition bewahrt.

Gerade auf dem Vormarsch im FabLab Kamp-Lintfort ist Food-Printing. Damit lassen sich nicht nur abgelaufene Lebensmittel in Filament, also Material für den 3D-Drucker, umwandeln, anstatt dass sie entsorgt werden, sondern auch Medikamente lassen sich mit Lebensmitteln vermischen und in anderer Form als üblich herstellen. So haben es unter anderem Kinder, ältere oder durch Krankheit geschwächte Menschen leichter, täglich ihre Medizin einzunehmen – Wer würde sich nicht eher den Lieblingslutscher schmecken lassen, wenn man krank ist, anstatt eine viel zu große Tablette zu schlucken? Und diejenigen, die nach einem anstrengenden Tag im FabLab nur noch von ihrer Lieblingspraline träumen, machen auf dem Weg nach Hause einfach einen kurzen Halt am Schokoladendrucker.

Hier kann man Teil 1 unseres Berichts über die Aktivitäten im FabLab Kamp-Lintfort lesen.

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